Meldewesenfabrik und Input Approach

Der österreichische Ansatz: Größte europäische Meldewesenfabrik und innovativer Ansatz der Datenanlieferung

Regulierung ist von entscheidender Bedeutung für die Stabilität der globalen Finanzmärkte. Doch obwohl die EU-Banken dazu verpflichtet sind, vierteljährlich bis zu 700.000 Datensätze aufgrund aufsichtsrechtlicher Anforderungen zu melden, bleibt ein Systemrisiko.

Laut einer aktuellen Studie des Bearingpoint Institute sind neue innovative Lösungen für das Meldewesen gefragt, die dazu beitragen, die Effizienz aufsichtsrechtlicher Prozesse zu erhöhen, Risiken und Kosten zu minimieren und durch höhere Transparenz und schnellere Verfügbarkeit von Daten die Grundlage für Entscheidungen zu verbessern.

Dies lenkt den Blick auf die input-basierten Datenmodelle in Italien und Österreich, den sogenannten „input-based approach“. Insbesondere der innovative österreichische Ansatz hat das Interesse von Banken und Aufsichtsbehörden in anderen Ländern geweckt.

In Österreich hat die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) zusammen mit den größten österreichischen Bankengruppen und BearingPoint als Lösungsanbieter einen neuen Meldewesen-Ansatz einschließlich eines innovativen Outsourcing-Ansatzes realisiert, der einen neuen Weg in die Zukunft des Meldewesens aufzeigen könnte.

Acht Bankengruppen haben auf Anregung der OeNB ein Joint Venture gegründet, die AuRep (Austrian Reporting Services GmbH), und ihre Meldewesenprozesse zum Teil ausgelagert. Die beteiligten Bankengruppen repräsentieren 800 Banken bzw. fast 90% des Marktes. Damit gilt AuRep als die größte Meldewesenfabrik in Europa.

AuRep nutzt eine gemeinsame Softwareplattform, BearingPoints ABACUS/GMP, als Zwischenspeicher für den Datenaustausch zwischen den angeschlossenen Instituten und der OeNB. Doch nicht nur die Auslagerung des Meldewesens an ein Gemeinschaftsunternehmen ist neu, auch im Bereich des Datenanlieferungsformats hat Österreich einen innovativen Ansatz gewählt. Das beleghafte Meldewesen wird schrittweise durch einen sogenannten „input-based approach“ basierend auf Daten-Cubes abgelöst. Die österreichischen Banken liefern Mikrodaten zu Einzelgeschäften wie z. B. Krediten in sogenannten „Basic Cubes“ an die AuRep. Diese Basic Cubes werden um weitere Attribute ergänzt und daraus die erforderlichen Meldungen in Form mehrdimensionaler Datenwürfel abgeleitet, die sogenannten „Smart Cubes“.

Der strategische Vorteil dieses Ansatzes:

Die „Basic Cubes“ ermöglichen es, die Daten für verschiedene Zwecke wiederzuverwenden und auszuwerten. Auch können die Kosten für die Anpassung an neue Anforderungen deutlich geringer gehalten werden. Zusätzliche Kosteneinsparungen erzielt das österreichische Modell durch den zentralen Service Provider und die zentrale regulatorische Wartung.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) ist sich den Grenzen des formular-basierten Modells bewusst und sieht den Nutzen des Input-Approaches. Im Zusammenhang mit dem European Reporting Framework (ERF) hat die EZB eine Initiative zur Evaluierung des Input Approaches angestoßen. Ein Gremium, die Expert Group on Statistical and Banking Data Dictionary, wurde dafür eingerichtet, ein Banking Data Dictionary (BDD) zu entwickeln, das ein harmonisiertes Datenmodell für die Input-Seite sowie Regeln für die Transformation von den Input- zu den Meldedaten definiert. Das BDD ist als eine Blaupause für die Banken zu verstehen, und bildet die konzeptionelle Basis eines „Input Approaches“, d.h. eines Datenmodells für die Organisation des Meldewesenprozesses innerhalb der Banken. Der Ansatz ist mit dem österreichischen Basic Cube vergleichbar. Weiteres Element des ERF ist ein Statistical Data Dictionary (SDD), das darauf abzielt, alle Daten, die im European System of Central Banks (ESCB) gemanagt werden, zu beschreiben.

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